Hinter mir liegen die härtesten 8 Wochen meines Lebens. Zwei Mal die Nordsee im Oktober, dazu der Ärmelkanal und die Biskaya im November durchquert.

Auf unserem Weg bis heute hatten wir insgesamt zehn Mal Windstärke 7 oder mehr. Oft lag ich völlig erschöpft und zudem seekrank an Deck und dachte mir, dass einfach nichts mehr geht. Mehrere Tage nichts gegessen und kaum geschlafen. Es war eiskalt und nass. Nichts trocknete, was bedeutet, dass wir jeden Tag und jede Nacht in nasse Klamotten gestiegen sind, um unsere Wachen an Deck zu verrichten.

Ich habe in den letzten Wochen oft daran gedacht einfach hinzuschmeißen und im nächsten Hafen von Bord zu gehen.

Andere Menschen, wie zum Beispiel Ben Saunders, laufen zu Fuß zum Südpol und zurück. „Die 105 härtesten Tage seines Lebens“ sagt er dazu. Das sind nicht nur mehr „harte Tage“ als ich hinter mir habe, im Vergleich zu seiner Expedition ist meine Reise ein Kindergeburtstag.

Und ich weiß natürlich, dass das, was ich mache, im Vergleich zu den großen Abenteuern unserer Zeit ein Spaziergang ist. Während ich, wieder einmal an Land, wieder einmal im Warmen und Trockenen sitze, fällt mir durch Zufall der TED Talk von Ben Saunders in die Hände.

Angesichts dessen, was Ben Saunders in seinem circa fünfzehnminütigen Vortrag erzählt, erscheint die Nordsee im Oktober und die vergangenen Stürme noch einmal kleiner. Und trotzdem sind solche Berichte für mich Inspiration, Dünger für die Wurzeln meines Abenteurergeists. Vielleicht ist es auch Quatsch, meine Reise mit einer extremen Expedition zu vergleichen. Ich stelle ja sicher keine Rekorde auf und mache nichts Lebensgefährliches. Aber am Ende geht es doch um die persönliche Bestleistung. Weitermachen, obwohl man eigentlich schon an dem Punkt ist, an dem man ernsthaft ans Aufgeben denkt. Die eigenen Grenzen finden und dehnen.

Warum tun wir uns sowas an? Weil es irgendwie in der Natur des Menschen liegt. Sagt Ben Saunders.

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