Windstärke 6 auf dem Nordatlantik. Hinter uns liegt eine stürmische Nacht, es ist kurz vor Ende der Hundewache, von 4 bis 8 Uhr morgens. Die Sonne geht langsam, irgendwo hinter den Wolken, auf und die TRES HOMBRES läuft gute acht Knoten Richtung Süd-Südwest.

Vor dem Wachwechsel werden noch einmal alle Segel getrimmt. Aber irgendetwas stimmt nicht am Gallant-Segel. Das Segel ist an Steuerbord nicht richtig gespannt. Die Fehlersuche beginnt. Schoten gespannt, Fall durchgesetzt, alles scheint soweit in Ordnung zu sein. Bis irgendwann auffällt: Die Rah ist gebrochen.

Von Deck ist es kaum zu sehen, aber etwas abseits der Mitte ist ein kleiner Knick im runden Holzbalken, an dem das Segel hängt. Ein Ausflug in die Takelage bringt letzte Gewissheit. Wir müssen das Gallant-Segel und das darüber befindliche Royal einholen. Bis zum Ende unserer Etappe fehlen uns damit zwei der vier Rahsegel. Nur gut, dass der Wind konstant und kräftig von hinten weht. So kommen wir auch „hinkend“ gut voran.

Ungefähr einen Tag später, wieder in den Morgenstunden, geht ein gewaltiger Ruck durch das Schiff und die Takelage. Ein kleiner Steuerfehler auf Vorwindkurs und das Großsegel schlägt in einem Satz von Steuerbord nach Backbord um, wo es in die Leinen schlägt. Für die Gaffel ist das zu viel. Mit einem Knall bricht das hintere Ende der Gaffel ab, die Leine, die das Umschlagen des Großsegels verhindern sollte, ist unter den einwirkenden Kräften ebenfalls gebrochen.

Eine Schrecksekunde für alle, die an Deck stehen, gefolgt von tatkräftiger Routine. Die Gaffel wird runter gelassen, der Schaden begutachtet und das Großsegel abgeschlagen. Wieder einmal haben wir Glück, denn bei dem anliegenden Kurs und den herrschenden Windverhältnissen können wir unsere Fahrt uneingeschränkt fortsetzen. Trotzdem ist klar, dieser Schaden muss, wenn es irgendwie geht, noch auf See repariert werden.

Die Bruchstelle wird noch am Tag des Unfalls mit Epoxy geklebt und anschließend wird mit Glasfasermatten verstärkt. Nachdem alles trocken ist, kann das Großsegel wieder angeschlagen werden, und noch bevor wir die Kanaren erreichen, ist das Segel wieder einsatzfähig.

Die Reparatur der Rah hingegen ist schwieriger. Wir können das Segel erst im Hafen abschlagen und die Rah aufs Deck abseilen. Zu unserem Glück treffen wir zwei Wandergesellen, die sich für die TRES HOMBRES interessieren und uns bei der Reparatur helfen. Aus Planken, die wir extra für solche Zwecke an Bord haben, wird ein Flickstück hergestellt, das die Bruchstelle der Rah ersetzt.

Die Reparatur dauert mehrere Tage. Erneut eine Verzögerung in unserem Zeitplan. Gut, dass wir auf dem Weg nach La Palma einige Zeit gut gemacht haben.

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