Vielleicht ist Brava der Inbegriff von Abgeschiedenheit schlechthin. Die Kapverden liegen circa fünfhundert Kilometer vor der afrikanischen Küste, auf Höhe des Senegals, im Atlantischen Ozean. Das ist nicht gerade die verkehrsreichste Gegend der Welt, und selbst die meisten Segler brechen viel weiter nördlich, auf den Kanaren, Richtung Westen auf. Und von den abgeschiedenen Kapverden ist Brava die kleinste und abgeschiedenste Insel.

Vier Tage liegen wir in der Bucht von Faixa de Agua vor Anker. Das Wasser der Bucht ist klar und herrlich warm und unser Blick schweift von Deck über die kargen Felsen, bis zur Straße, an der der kleine Ort mit seinen weißen Häusern mit den bunten Fensterläden liegt.

Es gibt nicht viel, was hier Ablenkung vom Bordleben bringt. An Land locken drei oder vier einfache Bars mit einem Feierabendbier, was im Grunde genommen eine erstaunlich große Zahl für den kleinen Ort ist. Wenn man allerdings an Land etwas essen möchte, muss man schon Zeit mitbringen. Der Fisch, der hier zu den meisten Mahlzeiten gegessen wird, muss nämlich erst einmal eingekauft werden, bevor er extra für uns zubereitet wird. Restaurants gibt es hier keine. Auf Touristen ist man nicht wirklich eingestellt.

Die Tage auf Brava vergehen entsprechend ruhig. Ich hatte mich darauf eingestellt, hier ähnlich von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, wie an Bord und irgendwie passt diese Ruhe auch zur Vorweihnachtszeit, auch wenn sonst gar keine Weihnachtsstimmung herrscht. Wie auch, bei 30° C?

Unsere Ladung bringen wir tatsächlich mit kleinen Fischerbooten an Land, daneben arbeiten wir am Schiff oder erkunden die Insel. Es ist alles sehr einfach hier, die Straßen sind gepflastert und auch im größten Ort der Insel, Nova Sintra, gibt es nicht viel mehr als unten an der Küste. Ein paar Kneipen und mehrer Tante-Emma-Läden, das war’s. Für unsere Köchin an Bord wird Brava damit zur Herausforderung, denn eigentlich war geplant, hier noch einmal frische Lebensmittel zu bunkern, bevor es über den Atlantik geht.

Noch vor Weihnachten heben wir den Anker. Er hat uns in den Tagen auf Brava zwar Sorgen bereitet, aber gehalten, und ich bin irgendwie froh, Weihnachten auf See zu verbringen. Brava ist schön, aber ich will endlich rüber, über den großen Teich.

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