Hinnerk Weiler hat zu einer Blogparade aufgerufen. Anlässlich des Weltozeantags am 8. Juli ruft er dazu auf, Einträge zum Thema „Mein Meer“ zu verfassen, was in mir vor allem die Frage weckte, was denn eigentlich „mein Meer“ ist, oder ob es sowas für mich überhaupt gibt. Ganz analog zu „meine Stadt“. „Mein Meer“ als Heimatassoziation war mir bisher eigentlich immer fremd.

Ich bin kein Seemann. Aufgewachsen bin ich fern ab der Küste und es dauerte bis zu meinem zehnten Lebensjahr bis ich das erste Mal, im Frankreichurlaub mit meinen Eltern, das Meer sah. Ich weiß noch genau, wie ich damals reagierte, beziehungsweise was mir beim Anblick des Atlantiks über die Lippen kam:

Boah, ist das breit.

Bis dato kannte ich das Meer nur aus dem Fernsehen, oder von Fotos, und die Erkenntnis, dass das Meer in Wirklichkeit viel breiter ist, sich tatsächlich von einem Ende des Horizonts bis zum anderen erstreckt, machte mir seine Größe mit einem Schlag bewusst. Es wirkte auf mich erschreckend und faszinierend zugleich.

Trotzdem kann ich nicht sagen, dass mich das Meer sofort in seinen Bann gezogen habe. Und selbst heute weiß ich gar nicht, ob ich das mit absoluter Bestimmtheit behaupten würde.

Irgendwann, ebenfalls mit zehn oder zwölf Jahren, nahm mich ein Freund meiner Eltern das erste Mal mit zum Segeln. In einem kleinen Boot auf einem Binnensee. Davon war ich sofort fasziniert. Wie das Boot nur vom Wind getrieben über das Wasser glitt, die Kraft des Windes, eingefangen mit wenig mehr als einem großen Stück Stoff.

Es vergingen ein paar Jahre. Ich machte einen Segelschein, weil gerade die Gelegenheit günstig war, aber so richtig nutzen konnte ich ihn nicht. Auf meinen Reisen zog es mich mehr in die Berge als ans Meer. Aber jedes Frühjahr und jeden Herbst, wenn über Deutschland die Stürme brausten, freute ich mich an der Kraft des Windes.

2010 dann meine erste Fahrt auf MYTILUS, das erste Mal auf einem „großen“ Schiff, das erste Mal die harte Arbeit an Deck eines Traditionsseglers. Ich blieb und seit dem segel ich jedes Jahr mehrere Wochen mit MYTILUS auf Nord- und Ostsee. Bin ich jetzt Seemann? In den Augen meiner Mitmenschen vielleicht schon, manchmal.

Ist mir das Meer in den letzten Jahren ein Stück weit Heimat geworden? Ich denke nicht. Ich kenne mich auf dem Meer deutlich besser aus als früher. Ich habe um einiges besser einschätzen gelernt, was es heißt auf dem Meer unterwegs zu sein, habe ruhige und stürmische Tage auf dem Wasser erlebt. Und trotzdem bleibt, neben der Faszination, immer noch das Gefühl von großem Respekt, wenn ich am Strand stehe und aufs Meer hinaus blicke.

Ich glaube, das Meer gehört uns nicht und die Idee, „mein Meer“ zu sagen, wirkt seltsam auf mich. Von all den Umweltproblemen und all dem „wir haben die Erde nur geliehen“ mal ganz abgesehen, glaube ich, dass wir bestenfalls zu Gast auf dem Meer sein können. Menschen gehören dort auf Dauer nicht hin, wir können uns mit Schiffen und Erfahrung die Fähigkeit aneignen, einen Ozean zu bezwingen. Aber das Meer ist und bleibt für uns Menschen eine lebensbedrohliche Umgebung. Und das ist gut so.

Dieser Beitrag ist, wie eingangs beschrieben, ein Beitrag zur Blogparade von Hinnerk Weiler. Auf seiner Seite www.segeln-blogs.de stellt er anlässlich des Weltozeantags eine Sammlung von Beiträgen zusammen.

Die Hashtags zur Aktion auf Twitter und Co. sind: #Weltozeantag, #MeinMeer, #worldoceanday

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