Seefahrt ist Not! hat Gorch Fock seinen bekanntesten Roman benannt und damit wie kein Zweiter die Widersprüche, die in der Seefahrt liegen, zum Ausdruck gebracht. Notwendigkeit für die wirtschaftliche Existenz vieler Menschen und dabei gleichzeitig auch Quelle für viel Not und Leid unter den Seeleuten.

Moderne Schifffahrt ist nicht mehr der schweißtreibende Knochenjob vergangener Jahrhunderte und in der Regel bezahlt niemand mehr den Versuch einer Ozeanüberquerung mit dem Leben. Die Not, die die moderne Seefahrt verursacht, ist anderer Natur.

Heute, gut hundert Jahre nach dem Roman von Gorch Fock, ist die Welt der Seefahrt eine völlig andere. Auf gigantischen Ozeanriesen fahren Tag und Nacht die Waren dieser Welt von Kontinent zu Kontinent. Kaum ein Produkt in unseren Kaufhäusern, das nicht (zumindest in Teilen) über die Meere dieser Welt verschifft wurde.

Eine der dramatischen Folgen unseres wachsenden Bedarfs an billigen Konsumgütern aus Übersee zeigt eine aktuelle Folge der Reportagereihe ZDFzoom.

Heute verursacht die Schifffahrt einen bedeutenden Teil der weltweit für die Luftverschmutzung verantwortlichen Emissionen. Darunter, neben CO2 und anderen Treibhausgasen, vor allem Feinstaub, den die Ozeanriesen tonnenweise ungefiltert ausstoßen.

Ich muss zugeben, dass ich das Ausmaß dieser Umweltverschmutzung auch nicht glauben wollte, als ich das erste Mal davon gehört habe. Billige Konsumgüter aus Übersee sind uns weit mehr Wert als saubere Luft. Dabei sollte man eigentlich annehmen, dass Standards zur Abgasreinigung wie sie beim Güterverkehr an Land üblich sind sollten auf dem Wasser ebenfalls gelten. Aber Fehlanzeige. Moderne Frachtschiffe verbrennen Schweröl, und damit Sondermüll, den man bei der Benzin- und Dieselproduktion abscheidet, weil er zu viele Giftstoffe enthält.

Ich kann die Sendung mit dem Titel „Schmutzige Schifffahrt – Billiger Transport auf Kosten unserer Gesundheit“ nur jedem ans Herz legen, der sich kritisch mit den Folgen unseres Konsums auseinandersetzt. Die Reedereien scheuen die Mehrkosten, die eine Umrüstung der Frachtschiffe auf moderne Antriebe mit sich bringen würde. Dabei sind die in der Sendung aufgezeigten Mehrkosten pro transportiertem Gut verschwindend gering. Wem in Europa schadet es, wenn das Handy einen Euro mehr kostet?

Und nicht zuletzt bedeutet Umdenken hier auch alternative Antriebsformen für die Frachtschifffahrt zu entwickeln oder wieder zu entdecken. Die TRES HOMBRES mag kein Konzept sein, das mit modernen Containerschiffen konkurrieren kann. Aber sie ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass es nicht völlig abwägig ist, auch beim internationalen Transport von Waren auf Windkraft zu setzen.

 

 

 

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