Freitagnachmittag ist alles irgendwie doof. Meine Pläne für’s Wochenende wollen einfach nicht so gedeihen, wie ich mit das vorgestellt hatte. Nicht zuletzt macht mir das plötzlich gut gewordene Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn eigentlich wollte ich in Düsseldorf eine Jolle über den See jagen. Aber wie es nun mal so ist: Mit Hochdruckgebieten kommt nicht nur Sonnenschein, sondern oft auch Windstille. Das war’s dann mit der Wochenendplanung.

Zumindest bis mir wieder, Facebook sei Dank, die Einladung zur TRES HOMBRES Rumparty in die Hände fällt. Spontan am nächsten Tag nach Amsterdam, um das Schiff wieder zu sehen, vielleicht ein paar Leute zu treffen, mit denen ich vergangenes Jahr gesegelt bin, oder möglicherweise ab Herbst segeln werde?

Zögerlich checke ich mögliche Bahnverbindungen. Köln-Amsterdam ist tatsächlich zu schaffen, ohne dass ich übernachten muss. Nach einigem hin und her fälle ich die Entscheidung und sitze am nächsten Morgen um 10:22 Uhr in der Bahn Richtung Holland.

Wenig mehr als drei Stunden später falle ich gut gelaunt, bei strahlendem Sonnenschein und erleichtert die beiden Junggesellinnenenabschiedstruppen in meinem Waggon hinter mir lassen zu können, aus dem Zug. Ich kann mir nicht helfen, aber auf dem Weg aus dem Bahnhof Richtung Fähre liegt mir „Deine Kais, Amsterdam“ auf den Lippen.

Deine Kais, Amsterdam, hör’n den Seemann, der singt,
von dem Traum, der ihm bringt, die große Welt, Amsterdam.

– H. Riedel –

Die TRES HOMBRES liegt mit ihren strahlend gelben Aufbauten, die in der Sonne leuchten, an einem rostigen Ponton. Kaum angekommen treffe ich Arjen, einen der namensgebenden „drei Männer“. Ich spreche ihn an und wir wechseln drei schnelle Worte. Noch bin ich gespannt, wie der Nachmittag verlaufen wird, schließlich kenne ich nicht wirklich viele Leute hier. Immerhin werde ich freundlich willkommen geheißen und sofort eingeladen mich an Bord umzusehen, wo ich gleich als Nächstes auf Cleem treffe. Er war an Bord, als ich im letzten August auf TRES HOMBRES von Den Helder nach Vlissingen gesegelt bin. Allerdings war er in der anderen Wache, das heißt wir haben uns in den vier Tagen an Bord kaum gesehen. Was aber noch viel wichtiger ist. Cleem ist der erste, den ich treffe, der auch ab Oktober über den Atlantik segeln wird.

Und da ist sie dann auch: die Vorfreude auf das, was mich ab Oktober erwarten wird. Ich bin an Bord, die Sonne scheint und die Leute um mich herum sind zwar meist fremd, aber auf den ersten Blick auch nett. Da lässt sich die gute Stimmung auch nicht mehr davon trüben, dass ziemlich bald die offizielle Ansage kommt, dass leider nur noch die aktuelle Crew an Bord bleiben darf. Aus irgendwelchen Gründen hat die Stadtverwaltung der TRES HOMBRES untersagt, an diesem Tag Gäste auf’s Schiff zu lassen. Also werden schnell Stühle und ein paar Tische organisiert und auf den Ponton umgesiedelt, was keinen so großen Unterschied macht, denn für die immer größer werdende Zahl an Partygästen wäre an Deck sowieso nicht ausreichend Platz.

Der Rest des Nachmittags vergeht wie im Flug. Unter anderem auch deshalb, weil Jonas ziemlich spontan in Amsterdam auftaucht. Er ist Seemann – einer von den echten – und wie der Zufall es wollte, macht er an genau diesem Samstag mit seinem Kohlefrachter in Amsterdam fest. Eine perfekte Gelegenheit für ihn, einen der wenigen Landgänge zu machen und mit mir auf der Rumparty ein Bierchen zu trinken und sich das offizielle Programm anzusehen.

Apropos Programm. Neben einigen Musikern tritt auch eine Gruppe Artisten auf, die an Stoffbändern in den Rahen rumturnten. Irgendwie eine ziemlich coole Idee, sowas mal nicht im Zirkuszelt, sondern auf einem Segelschiff zu machen.

Viel zu früh, noch bevor der Abend so richtig Fahrt aufnimmt, muss ich schon wieder Richtung Bahnhof, um kurz nach halb acht meinen Zug zu erwischen. In der überfüllten Bummelbahn mit Umstieg in Eindhoven, Venlo und Mönchengladbach klingen die Eindrücke des Tages in mir nach. Darunter, neben den Gesprächen mit alten und neuen Bekannten, vor allem die stetig wachsende Vorfreude auf Oktober.

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