Seit Brixham haben wir circa 5.000 Flaschen Ale aus Exeter an Bord. Britisches Ale, das nach Frankreich geliefert werden soll und das in einer speziellen Edition extra für den Transport per Segelschiff produziert wurde, was man unter anderem an dem Logo „Transportez à la Voile“ mit einem kleinen Abbild der TRES HOMBRES auf dem Etikett erkennen kann.

Hinter dem Auftrag für die TRES HOMBRES steckt Guillaume, ein junger Franzose Anfang dreißig, der in der Bretagne aufgewachsen ist und den, typisch für diese Region, die Seefahrt und das Segeln von Kind an prägte.

Später hat Guillaume dann Wirtschaft und Internationale Beziehungen studiert. Themen, bei denen es immer wieder um Öl geht. Öl, das unsere Wirtschaft so dringend zu brauchen scheint, und das unsere Umwelt verschmutzt.

Guillaume hat für sich persönlich entschieden, es anders zu machen. Privat, zum Beispiel, weil er einen elektisch angetriebenen Kastenwagen fährt, aber auch beruflich. Nach dem Studium hat Guillaume die Firma „Transoceanic Wind Transport“ gegründet. Das ist nun vier Jahre her und seither wird Guillaume nicht müde, den Beweis anzutreten, dass ökologisch korrekter Transport von Waren mittels Windkraft möglich ist.

Die TRES HOMBRES ist dabei nur eines von vielen Schiffen, mit denen Guillaume Waren transportieren lässt. Er ist vor allem der Mittelsmann, der Produzenten guter und biologisch hergestellter Produkte aufspürt, den Transport organisiert und auf der anderen Seite, in Frankreich, ein Netzwerk von Händlern und Kunden aufbaut.

Das in seinem Auftrag von England nach Frankreich transportierte Ale zum Beispiel liefert er an Kneipen und Bioläden in der Region.

Guillaume ist ein Netzwerker, das merkt man schnell, wenn man sich mit ihm unterhält. Aber er ist kein Idealist. Er selbst sagt, die wichtigsten Werte seines Unternehmens sind „Bescheidenheit“ und „Realismus“. Bescheidenheit, weil er eine Entwicklung in kleinen Schritten anstrebt. Natürlich ist es einer seiner Träume, mit großen, modernen Segelschiffen den Welthandel zu revolutionieren. Aber bis so etwas möglich sein wird, vergehen mindestens noch fünfzehn, zwanzig Jahre, sagt er. Bis dahin will er kontinuierlich wachsen. Angefangen hat er mit nicht mal einer Palette Bier aus England. Dieses Jahr haben wir ihm schon sechs Paletten geliefert und die waren innerhalb weniger Tage verkauft.

Sein Realismus zeigt sich vielleicht am ehesten darin, dass er sehr gut einschätzen kann, dass es noch ein langer Weg sein wird, bis sich sein Business wirklich lohnt. Er plane mit „zehn Jahren Schwarzbrot, bevor es vielleicht mal Weißbrot auf den Tisch gibt“ sagt er. Aber bis dahin ist sein Motto: „Never lose Money.“ und das scheint er bislang zu schaffen.

Warum er ausgerechnet Bier von England nach Frankreich bringt? Weil es auf dem Weg liegt. Die TRES HOMBRES komme sowieso durch den Ärmelkanal und da liege es doch nahe einen Stopp in England zu machen. Außerdem gebe es eine lange Tradition des Handels zwischen Devon in Südengland und der Bretagne. Und mit einem verschmitzten Lächeln ergänzt Guillaume noch: „Seien wir ehrlich. So viele gute Biere gibt es in Frankreich nicht. Da schadet ein wenig Abwechslung durch ein gutes Bier aus England nicht.“

Naja, das mit dem Geschmack ist so eine Sache, aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass Guillaume mit Leidenschaft und viel Engagement bei der Sache ist.

Als wir in Douarnenez die fast 5.000 Flaschen Ale von Bord schaffen und uns die Zeit im Nacken sitzt, weil wir fertig sein müssen, bevor die Ebbe einsetzt, ist er es, der die Mannschaft antreibt und gleichzeitig anpackt wie kein zweiter. Ladung per Menschenkette ein- und ausladen ist monotone Arbeit, bei der einem schon bald die Arme und der Rücken schmerzen. Aber es macht auch Spaß, weil alle hochmotiviert anpacken. Nicht mal neunzig Minuten dauert es, bis die Ladung von Bord ist und alle Flaschen circa 100 Meter weiter in einem kleinen Lagerraum verstaut sind.

Und Guillaume ist, nach einer kurzen Pause und einem Bier mit der Mannschaft, schon wieder am nächsten Projekt dran. Auf seine Initiative hin wird in den kommenden Tagen Rotwein an Bord der TRES HOMBRES gebracht, und hätte das Schiff mehr Kapazität, Guillaume hätte sicherlich noch einige Ideen für den Transport mit dem alten Segelschiff.

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