Samaná liegt im Nordosten der Dominikanischen Republik, am Ende der gleichnamigen Bucht. Es gilt als einer der zehn besten Orte weltweit, um Wale zu beobachten. Von Januar bis März kommen bis zu zweihundert der Meeressäuger, vor allem Buckelwale, in die Bucht, um ihre Jungen großzuziehen.

Wale sehen. Das war für mich von Anfang der Reise an ein Traum. Auf der Atlantiküberquerung war uns das Glück leider nicht hold. Kein Wal tauchte unvermittelt auf, oder zumindest haben wir keinen gesehen. Auf dem Weg nach Bonaire hieß es plötzlich: Wal! Aber ehrlich gesagt war nur eine Fontäne zu sehen, der typische Blas eines Wals, dann war er auch schon wieder verschwunden. Den Wal selbst habe ich nicht gesehen.

Na gut, dann musste es eben im Rahmen eines Whale-watching sein.

Wir fahren mit einem Auto einmal quer über die Insel. Ziemlich gut ausgebaute Straßen führen nach Norden, und immer wieder halten wir an Mautstationen, an denen wir unseren Beitrag zur Infrastruktur leisten müssen.

In Samaná angekommen erwarten uns schon am Ortseingang die ersten Touristenschlepper. Mit bebilderten Karten sitzen sie am Straßenrand und fangen uns ab. Wir lassen uns drauf ein und folgen unserem Guide, er auf einem Motorrad, wir im Auto hinterher, in einen Nachbarort.

Von dort aus geht es mit einem kleinen Boot hinaus in die Bucht. Die Bacardi-Insel lassen wir links liegen, klingt uns irgendwie touristisch. Hier draußen sind wir nicht die einzigen, die darauf hoffen Wale zu sehen. Zwei, später drei andere Boote sind ebenfalls hier und alle halten gebannt Ausschau.

Plötzlich taucht ein paar hundert Meter von unserem Boot entfernt tatsächlich eine schwarze Rückenflosse aus dem Wasser auf. Nichts wie hin. Unser erster Wal. Ein Buckelwal, wie erhofft, und es sollte bei weitem nicht der letzte bleiben. Im Abstand von wenigen Minuten tauchen immer wieder Wale um uns herum auf. Mal erhebt sich nur der Rücken aus dem Wasser, mal die Schnauze und wenig später das Atemloch das mit gewaltigem Getöse eine Fontäne aus Gischt in die Luft bläst.

Unser Fahrer hält dabei immer einigen Abstand zu den Walen, die aber teilweise von sich aus näher kommen und manchmal sogar unter unserem kleinen Boot hindurch tauchen. Dabei wird uns bewusst wie gigantisch die Meeressäuger sind. Selbst die Jungtiere sind größer als das Boot, in dem wir sitzen.

Als sich zwei weitere Boote den Walen nähern wird unser Guide ein wenig ungeduldig. Lang können wir nicht mehr bleiben. Es gibt hier die Regel, dass immer nur eine Hand voll Boote dicht zu den Walen fahren darf. Also wechselt man sich kollegial ab, und langsam aber sicher sind die anderen Boote an der Reihe.

Einen letzen Blick riskieren wir noch, als wir einen Wal entdecken, der seine Flosse hoch in die Luft streckt und mit ihr immer wieder auf die Wasseroberfläche schlägt. Dann geht es zurück. Viel zu früh, wie ich finde, denn ich könnte den ganzen Tag hier verbringen und weiter Wale beobachten.

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