Acht Wochen Karibik liegen hinter uns.  Ich hab den Sommer genossen, aber in den letzten Tagen, auf Bonaire und in der Dominikanischen Republik, hat sich langsam aber sicher Vorfreude eingeschlichen. Vorfreude darauf, dass es bald nach Hause geht.

Mehr als fünf Monate ist es her, seit wir in Den Helder abgelegt haben. Die Fracht ist an Bord, wir haben unser Ziel erreicht. Wobei es eher der Wendepunkt ist, denn das Ziel unserer Reise liegt in Europa. Es ist eine seltsame Mischung aus Müdigkeit und der Freude auf die Heimreise, die die letzten Tage in der Karibik bestimmt.

Nun sind wir müde, abgebrannt und leer
und lange Wege sind’s noch bis nach Haus
und dennoch wach, randvoll und reich und schwer
halten wir froh und frei den Daumen raus

Die ersten drei Tage nachdem wir ablegen, kämpfen wir uns nach Osten. Der Wind kommt direkt aus der Richtung, in die wir müssen. Wir müssen weit nach Süden kreuzen. Als wir es schließlich durch die Mona-Passage zwischen Hispaniola und Puerto Rico geschafft haben, schläft der Wind ein.

Fünf Tage dümpeln wir dahin. Ein Hochdruckgebiet südlich von Florida beschert uns sonniges Wetter, aber eben auch Windstille. Es sind die Rossbreiten, eine Hochdruckzone auf Höhe des Wendekreises, die wir durchqueren müssen. Wir genießen die Wärme an Deck und vertreiben uns die ruhige Zeit mit Lesen und Schachspielen.

Immer wieder sehen wir Wale, die von Samaná nach Norden ziehen. Wir sind genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um den Meeressäugern zu begegnen. Eines Morgens tauchen kurz nach dem Frühstück Minkwale auf, die das Schiff umkreisen. Den ganzen Tag begleiten uns die Wale, tauchen immer wieder unter der TRES HOMBRES durch und ziehen ihre Bahnen um uns. Was sie dazu veranlasst, ist uns ein Rätsel. Vielleicht ist es Neugier, die die Wale dazu treibt uns zu beobachten. Sie verlassen uns erst, als der Wind wieder einsetzt.

Es ist der zwölfte Tag auf See und wir haben erst 500 Meilen hinter uns. Aber der Wetterbericht meldet, dass ein Tief aufzieht.

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