„Hepp! Und Hepp!“ fliegen Pakete durch die Luft und landen wenige Meter weiter wieder sicher in den Händen der Crew. Wir liegen bei strahlendem Sonnenschein in Velas auf Sao Jorge. Ein kleiner, gut geschützter Hafen, in dem ein Schiff wie die TRES HOMBRES  gut liegen kann. Ein mehr als zwanzig Meter hoher Wall aus Beton schützt hier gegen Wellen und Wind.

Uns hat, wieder einmal, die Fracht hierher getrieben. Nach schönen und entspannten Tagen auf Faial, haben wir einen letzten, kurzen Stopp eingelegt, um hier auf Sao Jorge nachhaltig gefangenen Thunfisch einzuladen. Es ist erstaunlich, wie viele Produkte des täglichen Bedarfs die kleine Inselgruppe der Azoren selbst produziert, und dass die Menschen hier sehr großen Wert auf regionale Erzeugung zu legen scheinen. Jede der Inseln ist dabei für andere Produkte berühmt. Von Pico kommt Wein, auf Sao Miguel wird der einzige Tee in ganz Europa angebaut, und hier auf Sao Jorge gibt es den besten Käse. Und eben Thunfisch.

7.000 Dosen Thunfisch laden wir an Bord. Klingt viel, ist aber gerade einmal eine halbe Palette voll. So viel Platz ist doch noch an Bord, auch wenn es in der Zwischenzeit enger geworden ist.

Auf den Azoren wird Thunfisch seit jeher mit kleinen Booten und mit Angeln gefangen, nicht mit Netzen. Das macht die Fischerei aufwendig, der so genannte Leinenfang ist aber auch eine nachhaltige Methode, weil so niemals ganze Fischschwärme auf einmal abgefischt werden und es so gut wie keinen Beifang gibt. Der traditionelle Fischfang führte aber auch dazu, dass die Fischer auf den Azoren ab den siebziger Jahren nicht mehr konkurrenzfähig waren. Mit den schwimmenden Fischfabriken, die die Weltmeere ausbeuteten, konnte man nicht mithalten. Nach dem Walfang starb auf den Azoren auch die Fischerei für den Export so gut wie aus.

Heute wird aus dem einstigen Nachteil wieder eine Tugend, denn der Thunfisch, der auf den Azoren gefangen und in der Konservenfabrik von Santa Catarina in die Dose kommt, ist ein nachhaltiges und damit modernes Produkt. Außerdem beschäftigt Santa Catarina fast ausschließlich Frauen, wie uns Manager Antonio bei unserer Besichtigung erzählt. Warum das wichtig sei, frage ich ihn, und er lächelt. „Weil es hier auf den Azoren kaum Arbeitsplätze für Frauen gibt. Es ist erzkatholisch hier und viele Frauen haben keine gute Ausbildung, da ist es wichtig, dass es Unternehmen wie unseres gibt, die genau für diese Frauen Arbeitsplätze schaffen.“

Und tatsächlich begegnen uns bei unserem Rundgang durch die Fabrik nur Frauen, die in blauen Kitteln den Thunfisch verarbeiten. Vom Ausnehmen der Fische bis zum Abfüllen der fertigen Filets in Gläser oder Dosen ist hier fast alles Handarbeit. Noch ist Santa Catarina auf Subventionen aus EU-Mitteln angewiesen, aber man hofft, schon in den nächsten Jahren wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Dafür hat man auch an der Produktpalette gearbeitet. Heute wird der Tunfisch zum Beispiel mit Kräutern oder Beigaben wie Süßkartoffel eingedost. Damit soll er auf dem begehrten Markt auf dem europäischen Festland noch attraktiver werden und sich von der Konkurrenz abheben.

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