Der Morgen dämmert, als wir die Küste Cornwalls vor uns auftauchen sehen. Falmouth, wo die TRES HOMBRES in knapp einer Woche erwartet wird, liegt querab. Leise treiben wir dahin. Der Wind ist fast eingeschlafen und wir müssen noch mindestens einen Kreuzschlag fahren, um den Hafen von Fowey zu erreichen. Es ist Wachwechsel, die Backbordwache übernimmt für die nächsten vier Stunden, und ich gehe ein letztes Mal in die Koje. Den Gedanken, dass ich bald ankommen werde, dass ich mein Ziel fast erreicht habe, verdränge ich. Besser keine Hoffnung machen. „Fast ankommen ist wie fast im Lotto gewinnen …“

Als ich wieder an Deck komme, ist die Küste noch näher gekommen. Wie zum Greifen nah erscheinen die Klippen der südenglischen Küste. Nach dem Frühstück bleiben alle an Deck.

Wir segeln die Mündung des Fowey River hinauf. Noch einmal Segel bergen, Segel setzen, brassen, wenden. Das volle Programm bis wir irgendwo zwischen Fischerbötchen und Segeljachten an einer Muringboje festmachen.

Es ist Sonntagmorgen, halb acht, in einem verschlafenen Küstenstädtchen in Cornwall, der hinterletzten Ecke Südenglands, und mein Plan ist es, so schnell wie möglich von hier weg zu kommen. Eigentlich will ich nicht überstürzt aufbrechen. Erstmal ankommen, den Kuchen genießen, den es, ganz Tradition, auch bei dieser Ankunft gibt, und mich in Ruhe von meinen Mitseglern verabschieden. Aber ich habe eine Verabredung, für heute und zwar in Irland und nicht in England, und ich habe auch keine Lust mehr,meine Pläne weiter vom Schiff abhängig zu machen. Wenn ich es irgendwie schaffen kann, heute noch nach Irland zu kommen, dann ist es mir auch egal, wenn ich sofort los muss.

An Land kann ich noch nicht, aber vom Galleydach aus ist das Signal eines Hotspots stark genug, dass ich mich ins Internet einwählen und nach Flügen schauen kann. Eine halbe Stunde später habe ich alle erdenklichen Möglichkeiten gecheckt und tatsächlich einen Flug am gleichen Abend von Bristol nach Dublin gebucht. Bus und Zug von Fowey nach Bristol gibt es angeblich auch, obwohl Sonntag ist.

Mir bleibt der Vormittag und damit im Grunde reichlich Zeit, meine Sachen zu packen, Gepäck zu wiegen und noch einmal einen kurzen Moment an Deck zu sitzen.

Dann geht es mit einem Wassertaxi an Land. Ich werfe einen letzten Blick zurück, wie die TRES HOMBRES hoch erhoben zwischen den anderen Schiffen liegt. Mache ein letztes Foto und dann bin ich an Land und endgültig von Bord.

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