Wind und Regen peitschen über Douarnenez. Es herrscht Sturm, wenige Stunden später wieder Sonne, dann Regen und wieder kräftiger Wind. Seit Tagen zieht ein Tiefdruckgebiet nach dem anderen über die Bretagne.

Unten am Museumshafen und an Deck der TRES HOMBRES ist davon nicht so viel zu spüren. Wir liegen gut geschützt in der Flussmündung und hinter dem Wehr, das den alten Hafen von Douarnenez gegen die Gezeiten und die Wellen auf See abschirmt. Es ist vor allem der Regen, der die Tage in Douarnenez unangenehm macht. Es ist kaum möglich, Kleidung und Sachen an Bord trocken zu halten. Und das Warten schlägt auf’s Gemüt. Seit drei Tagen warten wir auf den richtigen Moment, Richtung Portugal auszulaufen. Seit drei Tagen werden jeden Abend die Sachen gepackt, ein letztes Mal der Weg zu den Duschen im Hafen eingeschlagen, immer in der Erwartung, dass es morgen in der Frühe losgeht.

Jetzt stehen wir, noch bevor es die Sonne über den Horizont geschafft hat, an Deck und eigentlich ist jedem klar, dass es heute wieder nichts wird, noch bevor der Captain es offiziell verkündet. Zu sehr zerrt der Wind an den Fahnen im Masttop. Bei so starkem Wind kommen wir nicht sicher durch das enge Wehr, das wir darüber hinaus nur bei Hochwasser passieren können. Und das ist erst wieder am Abend, wenn es schon wieder dunkel ist. Das heißt wir bleiben einen weiteren Tag in Frankreich. Ein weiterer Tag auf Abruf, warten auf den richtigen Moment und gute Winde.

Vor uns liegt die Durchquerung der Biskaya, von der Bretagne, am Kap Finistere in Spanien vorbei und entlang der portugiesischen Küste bis nach Lissabon. Die Biskaya im November. Das ist nicht gerade ein Fahrtgebiet, das Seefahrerromantik aufkommen lässt. Ganz im Gegenteil. Früher war die Biskaya unter Seglern gefürchtet, denn wie ein großer Trichter fängt sie die vom Atlantik kommenden Tiefdruckgebiete ein, und für ein Segelschiff ohne Maschine gibt es bei Wind aus West oder Nordwest kaum einen Ausweg aus der Bucht.

Also ist unser Plan, nicht den direkten Weg Richtung spanischer Küste einzuschlagen, sondern zunächst auf’s offene Meer nach Westen zu fahren bis wir eine Länge von circa 10 Grad erreicht haben. Von dort soll es dann auf Südkurs bis nach Portugal gehen. Falls die Winde günstig stehen und in ein bis zwei Tagen tatsächlich so drehen, dass wir Süd steuern können. Herrscht genau dann Südwind, heißt es Kreuzen und erhebliche Umwege fahren, was unseren Plan noch weiter verzögern würde. Schon jetzt sind wir drei Tage hinter dem Zeitplan.

Nochmals zwei Tage später ist es endlich so weit. Die Winde stehen günstig, die Sonne scheint und wir brechen auf. Am Morgen bringt uns das Schleppboot sicher durch das Wehr und an der Ile de Tristan vorbei in die Bucht von Douarnenez. Ab dort übernehmen die Segel die Arbeit, die sich schon bald in aufkommenden Schauerböen blähen.

Mit acht Knoten Fahrt geht es nach Westen. Wir laufen bei Südwind einem Tiefdruckgebiet entgegen und tatsächlich geht der Plan auf. Keine zwei Tage später sind wir so weit im Westen, dass wir den Kurs ändern können. Das Tiefdruckgebiet ist über uns hinweg gezogen und der Wind hat wie erwartet nach Westen gedreht. Jetzt laufen wir Süd-Südwest, auf direktem Kurs auf das Kap Finistere zu. An Deck wechseln sich Regen und Sonne ab, der Wind weht kräftig und die Wellen schlagen laut gegen unseren Bug. Aber es geht voran. Keine drei Tage brauchen wir, bis wir die spanische Küste erblicken.

Drei Tage mit Rauschefahrt auf perfektem Kurs durch die Biskaya. Jetzt geht es weiter nach Süden. Es wird wärmer, was für uns alle eine große Erleichterung ist. Und beim Two-O’Clocky keimt Hoffnung auf. Vielleicht schaffen wir es tatsächlich den Rückstand in unserem Zeitplan wieder reinzuholen. Wenn die Winde uns weiter gesonnen bleiben, sind wir Donnerstag in Setubal. Portugal, wir kommen.

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